Jüdische Deportation des Rhein – Sieg – Kreises

Die Deportation der Juden aus dem Lager Much

Auf einem Spaziergang habe ich in Much, Rhein - Sieg - Kreis, ein Mahnmal entdeckt, welches an die Deportation der jüdischen Einwohner des Rhein Sieg - Kreises in den Jahren 1941/42 gedenkt.

Das Internierungslager Much

Der Beginn der Judenverfolgung begann bereits 1939, als alle Juden in jüdische Häuser umziehen mussten [1. Jüdische Lebenswelten im Rheinland: Kommentierte Quellen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart.]. Dies machte eine Änderung der Gesetze möglich, welche den Hauseigentümern gestattete Juden fristlos zu kündigen. Des Weiteren wurden jüdische Hausbesitzer gezwungen weitere Juden aufzunehmen.

Die eigentliche Deportation begann im Jahr 1941. In Much, das alte Reichsdienstarbeitslager stand seit 1940 leer, wurden wurden bis zu 115 Juden auf engstem Raum zusammengepfercht. Die leerstehenden  Gebäude waren in maroden Zuständen. Obgleich der gefängnisartigen Unterkunft und des desolaten Zustandes, mussten die "Bewohner" noch eine horrende Miete von 6000 Reichsmark zahlen. Dies entspricht einer heutigen Kaufkraft von ca. 27.480 EUR [2. Wikipeia -Reichsmark, Kaufkraftumrechnung]. Diesen Betrag mussten die Zwangsarbeiter aufbringen.

Drei Familien teilten sich ein Zimmer. Nahrungsmittel waren sehr knapp, die Insassen litten an Hunger. Einige Dörfler, unter anderem die Schwester Aurelia aus Ruppichteroth, halfen den Menschen, indem Sie Lebensmittel über den Zaum warfen.

Die Lagerordnung vermittelt einen Eindruck über die Einschränkungen, die die Juden über sich ergehen lassen mussten:

Lagerordnung

  1. Es ist den jüdischen Insassen des Lagers verboten, den Ort Much zu betreten.
  2. Juden dürfen Geschäfte aller Art in Much und Umgebung nicht betreten. Die Lagerverwaltung hat zur Tätigung von Einkäufen und zur Ausübung erforderlicher geschäftlicher Obliegenheiten eine einzelne Person besonders zu neauftragen.
  3. Der Besuch von Gastwirtschaften ist Juden verboten.
  4. Die Bänke in den Anlagen der Gemeinde Much stehen nur den Einheimischen und den Kurgästen zur Verfügung.
  5. Die vorgeschriebene Ausgehzeiten für Juden (vom 1.4. -30.9. zwischen 6 Uhr und 21 Uhr, vom 1.10. - 31.3. zwischen 7 und 20 Uhr) sind einzuhalten.
  6. Der Arbeitseinsatz von jüdischen männlichen oder weiblichen Personen kann nur mit Genehmigung des Bürgermeisters als Ortspolizeibehörde erfolgen.
  7. Im übrigen ist jeder Verkehr von Juden mit der Bevölkerung untersagt.
  8. Es ist verboten, als Entgeld für Arbeitsleistungen aller art Lebensmittel anzunehmen. Die Löhnung für geleistete Arbeit darf nur in Bargeld erfolgen.
  9. Die Nichtbeachtung vorstehender Anweisungen zieht polizeiliche Maßnahmen nach sich.

Much / Siegkreis, den 15 August 1941
Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde

 

Die eigentliche Deportation der Juden vollzog sich im Sommer 1942 in vier Schritten. Beim ersten Transport war die 2 jährige, und somit Jüngste des Lagers, Edith Rochmann mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern dabei. Selbst beim Abtransport wurden die Menschen misshandelt. So berichtete eine Augenzeugin: "Ich sah, wie man einfach Kinder nahm und auf den Transporter warf". Andere Einwohner berichteten, wie andere Kinder verzweifelt nach Ihren Eltern riefen.

Die Deportationen verliefen über Köln Deutz und Bonn, zu meist in östliche Lager ohne Wiederkehr. Den Holocaust hat nur ein Mensch überlebt.

Adolf Moses Aron aus Bad Honnef wurde im KZ Theresienstadt befreit. Er starb 1947 im Krankenhaus.

Aron, Adolf Moses - 71 J.
Baehr, Sara * Sichler - 69 J.
Cahn Karoline * Rosenbaum - 63 J.
Cohn Rosa * Wolff - 58 J.
Cohn, Selma * Schwarz - 53 J.
Feith, Johanna * Sepselon - 61 J.
Friedemann, Rosalie * Rothschild - 68 J.
Fröhling, Paula - 44 J.
Gärtner, Mathilde * Oppenheimer, 63 J.
Heilbrunn, Adele - 39 J.
Hess Henriette * Nathan - 60 J.
Hirsch, Fanny * Blankenstein, 67 J.
Hirsch, Selma * Benjamin - 56 J.
Hirsch, Alfred, 17 J.
Hirschfeld, Johanna * Treidel - 49 J.
Isaak, Flora * Simon - 43 J.
Kaiser, Friedrich - 53 J.
Kaiser, Gerd - 17 J.
Kaufmann Elise * Levy - 70 J.
Knobel, Sibilla * Rubinstein - 53 J.
Knobel, Frieda - 11 J.
Knobel, Elsa - 40 J.
Levy, Bernhard - 77 J.
Levy, Isidor - 44 J.
Levy, Emanuel - 75 J.

Beahr, Moses - 76 J.
Berger, Elisabeth * Berger - 56 J.
Cohn, David - 63 J.
Cohn, Samuel - 56 J.
Cohn, Ilse, 16 J.
Friedemann, Simon - 69 J.
Fröhlich, Eduard - 71 J.
Gärtner, Gustav - 68 J.
Gramm, Louis - 71 J.
Hess, Moses - 66 J.
Hermann, Julie * Scheren - 68 J.
Hirsch, Markus - 58 J.
Hirsch, Ilse - 30 J.
Hirschfeld, Leo - 66 J.
Hirschfeld, Helma 17 J.
Isaak, Werner 10 J.
Kaiser, Franziska * Compart - 45 J.
Kaiser, Edgar - 14 J.
Klein, Jenny * Meier - 50 J.
Knobel, Else - 19 J.
Koppel, Hugo - 43 J.
Koppel, Paula - 36 J.
Levy, Mathilde * Heumann - 74 J.
Levy, Ernestine - 40 J.
Levy, Johanna * Weber - 56 J.

Levy, Jakob Moses - 66 J.
Levy, Erich Moses - 12 J.
Levy, Renate Rachel - 39 J.
Levy, Sofia - 68 J.
Levy, Berta - 58 J.
Lichtenstein, Henriette * Walter - 71 J.
Liebmann, Rolf - 17 J.
Markus, Albert - 64 J.
Marx Lydia * nathan - 53 J.
Meier, Regina * Sommer - 70 J.
Meier, Moses - 79 J.

Meier, Fanny * Linz - 69 J.
Menkel, Rosalie - 63 J.
Menkel, Elfriede - 59 J.
Müller, Adelheid * Fröhlich - 68 J.
Neumann, Albert - 68 J.
Neumann, Otto - 63 J.

Levy, Rosa * Levy - 52 J.
Levy, Mathilde * Weinberg - 70 J.
Levy, David - 68 J.
Levy, Sophie * Kahn -61 J.
Levy, Blondine - 50 J.
Liebmann, Paula * Weinstein - 45 J.
Liebmann, Werner - 11 J.
Markus, Amalie * Kern - 61 J.
Meier, Emanuel - 70 J.
Meier, Günter - 14 J.
Meier, Mathilde * Arensberg - 72 J.
Meier, Selma - 39 J.
Menkel, Rola Rebekka * Grünenbaum - 60 J.
Müller, Leopold - 64 J.
Nathan, Julius - 65 J.
Neumann, Karoline * Heli - 58 J.
Neumann, Betty * Jakobs - 68 J.

Rochmann, Johanna * Kesseler - 37 J.
Rochmann, Kurt - 8 J.
Rosenbaum, Eduard - 72 J.
Rosenbaum, Isaak Isidor - 69 J.
Rosenbaum, Maria Anna * Sichler - 67 J.
Rothenberg, Meta * Danelius - 44 J.
Schulze, Jutta, Joh. * Minkel - 74 J.
Seligmann, Julius - 69 J.
Seligmann, Nathan - 65 J.
Simon, Isidor - 76 J.
Simon Berta * Meier - 55 J.
Wallerstein, Marikus - 76 J.
Wallerstein, Paula - 38 J.
Wallerstein, Rosalie * Heumann - 62 J.
Walter Sara * Herz - 69 J.
Wolff, Jakob - 39 J.

Rochmann, Cilli Rosa - 10 J.
Rochmann, Edith - 2 J.
Rosenbaum, Fanny * Rosenbaum - 71 J.

Rothenberg, Gustav - 59 J.
Rothenberg, Ruth - 14 J.
Schweitzer, Paula * Marx - 57 J.
Seligmann, Johanna - 66 J.
Simon, Sigmund - 68 J.
Stern, Frieda * Marx - 55 J.
Stuwe, Camelia * Hammerschlag - 65 J.
Wallerstein, Berta * Schulze 71 J.
Wallerstein, Benjamin - 71 J.
Walter, Moses - 81 J.
Wolf, Erna * Cahn - 70 J.
Wolff, Ross - 38 J.

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One thought on “Jüdische Deportation des Rhein – Sieg – Kreises

  1. Die Sünden der Väter werden heimgesucht bis in 3. und 4. Glied.
    Unsere Vorfahren, unser Volk hat eine schwere Blutschuld auf sich geladen.
    Deshalb, was Du dem Geringsten unter den Deinen getan hast, das hast Du mir getan.
    So hoffe ich, dass unsere Generation mit dem WILLKOMMEN der Flüchtlinge einen Teil der Schuld abtragen kann.

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