König Ludwig II und das Pestkreuz Hopfen am See / Hopferwald

Füssen – Hopfen am See

So… endlich Herbstferien! Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich die Toten zuhause lasse. Aber… im Bayern git es viele Kreuze. Alle die meinen Blog ein wenig verfolgt haben, wissen nun was kommt!

Unser Ziel, Hopfen am See, ist ein kleiner Ort im Ostallgäu in direkter Nähe zu Füssen und den Königsschlössern von König Ludwig II.

Hopfen wurde im Jahre 1169 erwähnt[1. http://www.fuessen-hopfen.de/472.0.html], also ein geschichtsträchtiger Ort. Die alte Burg Hopfen, ehemals von welfisch treuen Adligen bewohnt, ist leider nur noch als Grundmauer zu erkennen.

Ursprünglich eine eigenständige Gemeinde wurde Hopfen 1978 in das Stadtgebiet Füssen eingegliedert und wird heute liebevoll Riviera des Allgäus genannt.

Was macht man nun in Füssen? Klar, erst die Altstadt und dann die Königsschlösser besichtigen, was wir auch taten.

Schloss Neuschwanstein (C) Thomas Beissel
Schloss Neuschwanstein

Wir hatten unsere Unterkunft im Bauernhof Stechele[1. www.bauernhof-stechele.de/] bezogen. Bei Gesprächen mit unseren Gast(land)wirt stellte sich dann heraus, dass seine Familie nun in der sechsten Generation den Hof bewohnt und als eine der ersten Familien Hopferwald besiedelte. Die Siedlungsmedallie wird bis heute noch verwahrt.

Herr Stechele, sehr aktiv in den regionalen Vereinen und interessiert an der lokalen Historie, plauderte dann aus dem Nähkästchen, zunächst über Ludwig II:

Ja das mit dem Ludwig… Der Tot war schon komisch. Es ist allgemein bekannt, das Ludwig ein sehr guter Schwimmer war. Er ist als 15 jähriger Bub in 22 Minuten durch den Alpsee zu Füßen des Schloss Hohenschwangau geschwommen. Er hat auch den Starnberger See durchquert. So einer ertrinkt nicht im flachen Wasser. Und die Füssener mochten ihren König sehr gerne. Es haben immerhin 400 Menschen aus Füssen am Schloss gearbeitet. Was auch kaum jemand weiss: Der König hatte schon eine Art Krankenversicherung für seine Arbeiter.

König Ludwig II
König Ludwig II von Bayern

Eine weitere Geschichte steht in der Feuerwehrchronik von Füssen: Als Ludwig II entmündigt wurde und verhaftet werden sollte, rückten die Feuerwehrleute von Füssen[2. https://www.schwangau.de/koeniglich/koenig-ludwig-ii-von-bayern/] aus, um ihren König zu retten. Die Häscher zogen sich zurück. Als zur zweiten Festnahme das Militär anrücke, versuchte die Feuerwehr wieder die Verhaftung ihres Königs zu vereiteln. Ludwig schickte die Männer jedoch wieder nach Hause. er wollte kein Blutvergiessen seiner Untertanen.

So wie Herr Stechele scheinen viele Einwohner Bayerns zu denken und nach wie vor so etwas wie Verehrung für ihren „Kini“ zu haben. Dieser historische Krimi beschäftigt auch in unserer Zeit noch viele Menschen[3. http://hinter-den-schlagzeilen.de/2011/06/13/mordfall-ludwig-ii-von-bayern/ ].

Und das Pestkreuz Hopferwald?

Etwa 50 Meter vor der Toreinfahrt zu unserer Unterkunft, fielen mir dann der Bildstock und das dazugehörige Kreuz auf.

 

Da wo das Bildstöcken nun steht, war zu der schlimmen Pestzeit von 1636 bis 1639 der Pestfriedhof von Hopfen und Hoperau. Hier lagen ungefähr 200 Menschen. Die Pest war so schlimm, dass es in Hopfen nur noch einen männlichen Bewohner gab. Das kleine Kreuz habe ich auf dem Acker gefunden und habe es dann an dem Bildstock angebracht

Bei meinen Recherchen zu der Pest in Hopfen bin ich auf einen interessanten Forenbeitrag[4. http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=54933] gestoßen, der die Geschichte bestätigt.

Quelle bzw. Art des Textes: Sterberegister Jahr, aus dem der Text stammt: 1635 Ort/Gegend der Text-Herkunft: Raum Füssen – Hopfen a. See Copyright: http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=54933

(1) Hoc tempore multos invasit pestis in inferiore
(2) parte parchochiae; quare cum timeretur, ne sepultura infe-
(3) ctorum corporum corrumperetur coemeterium et templacium,
(4) alius locus in silva Hopfensi communi consensu pro se-
(5) pultura pestiferorum designatus est et fere diebus quinque
(6) asseribus communi parochianorum opera circumdatus fuit, et
(7) …benedictus à Georgio Braher, tunc temporis parocho,
(8) die 14. Augusti Anno 1635

(1) In dieser Zeit befiel viele Leute im unteren
(2) Teil der Pfarrei die Pest. Weil daher zu befürchten war, daß durch die Bestattung der infi-
(3) zierten Körper (auch) der Friedhof infiziert würde und die Kapelle,
(4) ist ein anderer Platz im Wald von Hopfen nach allgemeiner Übereinkunft für die Be-
(5) stattung der Pesttoten bestimmt und in etwa fünf Tagen
(6) durch die gemeinsame Arbeit der Pfarrangehörigen mit einem Lattenzaun umgeben worden; und …
(7) …gesegnet von Georgio Braher, derzeit Pfarrer,
(8) am 14. August im Jahr 1635

Fazit

Auch wenn ich die Toten zu Hause lies… Die Umgebung von Füssen ist nicht nur für Genealogen und historisch interessierte Menschen eine tolle Urlaubsregion. Ich fahre wieder hin.

Fußnoten
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