Wegekreuz Abelsnaaf

Wegekreuz Abelsnaaf, Overath
Beschreibung: Das ca 2,60 hohe Wegekreuz aus Sandstein wurde im Jahre 1796 errichtet. Im mittleren Teil des Sockels befindet sich ein Karniessims vor einer Muschelgrotte. Oberhalb schliesst ein Kreuz den Sockel ab.

Inschrift

Dieses Creuz h(atten) und haben
aufrichten l(assen)
zu ehren des Leiden Christi
H.H. Höller und M.Catharina Führers
Ehl(eute) W. Höller u(nd) M.Höller u(nd)
Wittib Somerhäusers u(nd)
H.Schumacher u(nd) I.Kippel
sämtliche Ehl(eute)
21. Maii 1796

 

 

Personen

Auf dem Wegekreuz Abelsnaaf sind folgende Personen erwähnt:

  1. H. H. Höller und M. Catharina Führers
    Heinrich Höller wurde am 1304.1766 als Sohn von Wilhelm Höller und Maria Margaretha Sommerhäuser in Abelsnaaf geboren. Heinrich war ein Sohn von Wilhelm Höller und Maria Sommerhäuser. Wilhelm ist mein direkter Obergroßvater (6xUr).
  2. W. Höller und M. Höller
    Wilhelm und Moritz Höller sind Vater und Sohn. Heinrich gehörte ebenso zu dieser Familie. Zwei Töchter von Mauritz sind Ahninnen beider Linien meiner Großeltern.
  3. H. Schumacher war der spätere Schwiegervater einer Tochter von Moritz
  4. Die Eheleute Johann Kippel sind ebenso ein Teil meiner direkten Vorfahren. Johann Kippel ist der Sohn von Wilhelm. Laut Sterbeurkunde hieß dieser allerdings Theodor, was jedoch irgendeine Verwechslung sein muss.
    Bei Wilhelm Kippell stosse ich leider auf ein (zur Zeit) totes Ende. Wilhelm soll in Großhurden geboren worden sein, jedoch finden sich weder in Overath noch in Immekeppel oder Hohkeppel hinweise auf seine Geburt oder Familie

Die Eheleute Wilhelm HÖLLER und Maria SOMMERHÄUSER gehören ebenso wie Moritz HÖLLER und Johann Kippell zu meinen direkten Vorfahren. Dies ist auch der Grund, warum eben das Wegekreuz Abelsnaaf mein besonderes Interesse verdient.

Zeit der Errichtung

Als das Wegekreuz Abelsnaaf errichtet wurde, fielen die, durch die gerade entfachte französische Revolution aufgehetzten französischen Truppen, im Bergischen Land ein. Franz Becher hat dieses Ereignis im der Chronik „900 Jahre Overath1 eindrucksvoll geschildert:

1794 rückten die Truppen der 1789 begonnenen Großen Französischen Revolution gegen den Rhein vor. Ein kaiserliches Heer wurde auf die rechte Rheinseite zurückgedrängt. Unser Bergisches Land lag voll von deutschem Kriegsvolk. An der Agger wurden Verteidigungsstellungen gebaut und die Aggerbrücken abgebrochen.

1795 setzten die Franzosen bei Uerdingen östlich Krefeld über den Rhein.

Die kaiserlichen Truppen zogen über die Sieg südwärts. Bei Lohmar überschritten die Franzosen die Agger und bei Siegburg und Hennef die Sieg. Und nun entbrannte der Kampf der Frankfurter Straße entlang bis gegen Uckerath. Kaiserliche Kavallerie hielt den feindlichen Ansturm und warf die Franzosen über die Sieg zurück. Ein zweiter Vorstoß des Feindes wurde durch die Artillerie des Prinzen von Württemberg zurückgedrängt.

Zu dieser Zeit beschlossen der Kaplan Johann Peter Ommerborn in Offermannsheide, geboren in

Husaren aus dem Regiment von Feldmarschallleutnant Vincenz Freiherr von Barcó © Napoleon Online (Markus Stein)

Ommerborn, und der junge Ferdinand Stucker, der Sohn des Bensberger Advokaten, die Bildung eines bergischen Landsturms zur Unterstützung der kaiserlichen Soldaten. Am 14. November 1795 war letzter Kriegsrat in der Vikarie zu Offermannsheide, dem auch Rittmeister Grisar von den kaiserlichen Barkohusaren beiwohnte.

In der Nacht vom 17. zum 18. November regte es sich in allen Wäldern an der Sülz, Agger und Bröl. Von allen Kirchtürmen gaben die Sturmglocken das Zeichen zum Aufbruch; auf allen Höhen loderten die Freiheitsfeuer zum Himmel. Bei Anbruch des Tages lagerte der gesamte bergische Landsturm am Hohnsberg bei Eckhausen im Kirchspiel Much. Es galt die im Rücken des französischen Feldlagers bei Troisdorf zerstreut stehenden Feinde in Vereinigung mit den Barkohusaren zum Rückzug über den Rhein zu zwingen.

Auch die Franzosen waren um Mitternacht aus ihrem Lager bei Troisdorf aufgebrochen. Durch schnöden Verrat gelang es ihnen, den bergischen Landsturm mit den Husaren zu überrumpeln. Doch konnte sich die Mehrzahl der Freiheitskämpfer im großen Wald am Heckberg in Sicherheit bringen. Stucker wurde mehrfach verwundet und gefangen nach Overath in den Steinhof gebracht.

Ommerborn überfiel in der folgenden Nacht mit seinen Getreuen den Steinhof, um Stucker zu befreien. Dieser war aber schon durch Vermittlung des französischen Stabsoffiziers Racheplanes ins elterliche Heim nach Bensberg gebracht worden.

1795 gingen die Franzosen im Dezember bis nördlich der Wupper in die Winterquartiere.

1796 stand vom 11. Februar bis 25. Juni ein österreichisches Pikett (Spähtrupp) am Aggersteg bei Vilkerath – Miebach. Dieses musste von der Miebacher Honschaft verpflegt werden. Das übrige Kirchspiel Overath lieferte Proviant an die Vorpostenlager in Marialinden und Ehreshoven und Fourage über Heiligenhaus ins österreichische Lager in Siegburg. Wegen des schlechten Fahrweges durchs Aggertal musste über Heiligenhaus – Scheiderhöhe dorthin gefahren werden.

Im Mai begannen die Franzosen von der Wupper aus wieder den Vormarsch nach Süden, vom bergischen Landsturm dauernd in den Flanken bedroht. Zum dritten Mal überschritten sie bei Siegburg und Menden die Sieg. Vom 27. bis 30. Juni waren die Franzosen durch unser Kirchspiel vormarschiert. Sie hatten Quartiere, Proviant und Fourage gefordert, auch Arbeiter für ihre Batterien bei Zündorf und eine Viehlieferung nach Hadamar im südlichen Westerwald. Der Oberbefehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte Erzherzog Karl drängte die Revolutionstruppen wieder über die Sieg zurück. Am 18. September 1796 traf die Spitze der Kaiserlichen in Overath ein. Sie bezogen ein Feldlager im Dorfauel in der Nähe der Aggerbrücke. Vorposten wurden aufgestellt in Donrath, Wahlscheid, Combach, Much, Marialinden und Ehreshoven. Vom Kirchspiel Overath mussten Lebensmittel, Pferdefutter, Hafer und Stroh an das Feldlager geliefert werden. Zur Beitreibung wurde den Vorstehern der Honschaften ein Husar beigegeben.

Im April des Jahres 1797 erfolgte der letzte Vormarsch der Franzosen über die Sieg. Eine andere ihrer Heeresgruppen marschierte über Much und über die Bröl hinaus zur Deckung ihrer linken Flanke. Wieder bei Kircheip geschlagen, zog sich der Feind nun auf Neuwied und weiter auf Frankfurt zurück.

Französische Besatzungstruppen aber waren im Bergischen Land zurück geblieben. Am 30. September forderten sie in Overath Requisitionen. Vom 9. bis 20. Oktober 1797 waren wohl die letzten französischen Chasseure (Jägertruppe) in Overath.

Die Ackerleute zu dieser Zeit, konnten je nach Ernteertrag gerade sich und Ihre Familie ernähren. Die Steuerlast erbrachten die meisten Landbewohner durch den Anbau und die Verarbeitung von Flachs, welcher die Grundlage der Kleidung darstellte.

Als nun die österreichische Armee und die französischen Heere durch ihre Heimat vagabundierte, wurde die einheimische Landbevölkerung gezwungen die Truppen mit Lebensmittel, Futter für die Pferde und Handdiensten zu versorgen. Obwohl im November die in diesem Jahr reiche Ernte bereits eingefahren war, schmälerte jeder Tag an dem die Soldaten ernährt wurden die eigenen Wintervorräte. Jeden Tag wurde die Angst vor der Zukunft größer.

Nachdem sich die französischen Soldaten zunächst auf die linke Rheinseite zurückzogen und den Sommer über immer weiter das Rheinufer bedrängten, verstärken die kaiserlichen Truppen die rechte Rheinseite und somit das bergische Land. Handwerke wurden für Schanzdienste an den Rhein befohlen. Die preußischen Armeen hielten sich seit dem Basler Frieden (April 1795) aus den Streitigkeiten heraus. 2

Ein probates Mittel der französischen Kriegführung war die Bestechung. Deutsch – kaiserliche Kriegsoffiziere besuchten nachweislich Bankette und Orgien auf der linken Rheinseite in Köln und wurden so bestechlich. Im September des Jahres 1795 überquerten die Franzosen bei Uerdingen den Rhein und fielen auch im Bergischen Land ein. Sie beanspruchten unter dem Vorwand der Verbrüderung viele der damaligen Güter wie Getreide und Vieh aber auch Kaffee und Puder für ihren persönlichen Vorteil. Wurden die Forderungen durch die Ämter im bergischen Land nicht erfüllt, so wurde ohne Rücksicht auf die Landbevölkerung geplündert.

Der Höhepunkt der Brandschatzungen wurde erreicht, als die französischen Truppen im Oktober 1785 an der Lahn besiegt und versprengt wurden. Die versprengten Gruppen glichen Räuberbanden, die sich alles – Nahrung, Barschaften und Frauen – nach eigenem Gutdünken nahmen. Diese Überfälle waren so gravierend, dass ganze Dörfer sich tagsüber entvölkerten und sich in den damals noch tiefen bergischen Wäldern versteckten.

Es ist kein Wunder, das des Abends am Küchenfeuer, wenn die Männer Ackergeräte und Werkzeuge reparierten und kleinere Handwerksarbeiten verrichteteten und die Frauen Flachs verarbeiteten und nähten, die Sorgen um die Zukunft oft überhand nahmen.

Markierungen von Wegekreuz Abelsnaaf, Hohnsberg und Fluchtrichtung des Landsturms
Historische Karte um 1802 © Geobasis NRW 2015. Eingezeichnet der vermutete Sammelplatz der Freiheitskämpfer, die Fluchtrichtung und der Standort des Wegekreuz Abelsnaaf.

Als nun der „Heldenpastor“ Ommerborn und der junge Advokat Strucker nach der Brandschatzung von Bensberg den Landsturm aufstellten mag sich ein wenig Hoffnung und auch Heldenmut sich unter der Bevölkerung bemerkbar gemacht haben. „Freche Wilddiebe und die dörflichen Raufbolde“ erschienen von den Dörfern um ihr Land zu befreien.

In der Nacht vom 17. auf den 18. November brannten auf den Höhen des bergischen Landes die Freiheitsfeuer. Sturmglocken riefen die Freiheitskämpfer zusammen. Der Landsturm versammelte sich am Fusse des Hohnsberges in der Nähe des heutigen Eckhausen (Siehe Karte 3) bei Much. Von dort aus wollte Strucker und seine Leute über Marialinden und Overath nach Bensberg ziehen und die Franzosen von dort aus über den Rhein vertreiben. Da der Plan jedoch an die französichen Besatzer verraten wurde, konnten diese Ihrerseits den Bergischen von Troisdorf aus, noch am Sammelplatz, in den Rücken fallen. Die meisten des Landsturms konnten in die Wälder des Heckberges flüchten und sich so retten. Strucker wurde schwer verletzt und nach Overath gebracht.

Warum nun das Wegekreuz Abelsnaaf?

Den wahren Grund der Errichtung des Wegekreuz Abelsnaaf werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Jedoch können wir aus den historischen Begebenheiten und der örtlichen Nähe zu dem Sammelplatz schliessen, dass die Bewohner von Abelsnaaf direkt von den Ereignissen betroffen waren. Das Steinkreuz wird wahrscheinlich als Dank- oder Gelöbniskreuz gestiftet worden sein. Diese Art der Denkmäler diente zum Dank um eine überstandene Gefahr oder eine Schonung von Einzelnen oder einer Dorfgemeinschaft.

Anmerkung zu den Quellen

Eine sehr ergiebige Quelle zu diesem Artikel über das Wegekreuz Abelsnaaf bietet die Schrift „Die Helden und Bürger und Bauern am Niederrhein in den letzten 6 Jahren des vorigen Jahrhunderts und unter der Fremdherrschaft“ von Vinzenz Jacob vom Zuccalmaglio aus dem Jahr 1870. Der Autor wird hier sicherlich einige Schilderungen heroisiert haben. Dennoch geben die Darstellungen des Zeitgeschehens einen guten Eindruck zu den politischen und sozialen Lebensumständen der damaligen Landbevölkerung. Das Werk finden Sie frei zugänglich unter: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/3246842

Download Beitrag
Mein Name
Thomas Beissel

Notes:

  1. 900 Jahre Overath, Reprint, ISBN-13: 978-3936405286, Verlag Bücken & Sulzer, Overath
  2. Die Helden und Bürger und Bauern am Niederrhein in den letzten 6 Jahren des vorigen Jahrhunderts und unter der Fremdherrschaft : aus dem Munde der Augenzeugen und aus amtlichen Urkunden, aus Briefen und Tagebüchern dargestellt, 1870
  3. Tim-Online, © Geobasis NRW, Historische Karten, Tranchot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.